Von Volksweisheiten und Volkskrankheiten

Manch einer geht frisch, fröhlich, ein Liedchen trällernd, nach zehn Stunden aus dem Büro und andere kriechen nach noch nicht einmal der Hälfte quasi auf dem Zahnfleisch.
Die Zeit schreibt dazu:
„Auffällig ist die heftige Zunahme der Fehltage aufgrund von Burn-out, Stress und totaler Erschöpfung. Diese Erkrankungen werden meist gesondert diagnostiziert. Allein mit Burn-out waren vergangenes Jahr – hochgerechnet auf sämtliche gesetzlich versicherte Beschäftigte in Deutschland – knapp 100.000 Arbeitnehmer krankgeschrieben. Seit 2004 seien die Burn-out-Fehltage damit um fast das Neunfache auf insgesamt 1,8 Millionen angestiegen, so das Institut.“
Und die Statistiksammlung statista.com bestätigt:
“Im Jahr 2010 machten die Arbeitnehmer in Deutschland 1.248,2 Millionen Überstunden.”
Viele der Betroffenen beißen wirklich die Zähne zusammen. Wenn wir das jetzt direkt nachempfinden, also Schultern hochziehen zum Schutz vor noch mehr Nackenschlägen, Zähne zusammenbeißen und durchatmen, stellen wir überraschend fest: das geht gar nicht. Erst wenn wir die Spannung wieder lösen, dringt die Atemluft weiter in den Körper als nur in den gepressten Brustkorb. Dieser Rat des Volksmundes hat sich also überlebt für unsere moderne Arbeitswelt. Doch wie schützen wir uns vor dem Ausgebrannt sein? Was hält stattdessen das Feuer der Begeisterung wach?
Am besten nähren wir unser Feuer selbst und nehmen das Heft in die eigene Hand. Auf Seite 1 dieses Heftes steht:
Ab Seite 2 folgen je nach Gusto und Interesse Sprucheigenkreationen, die zur ganz persönlichen Erlebniswelt jedes einzelnen passen.
Mein Pendant zu „Beiß doch mal die Zähne zusammen“ heißt beim Lauftraining „Ich will Äthiopier sehen“. Die Assoziationen zu leichtfüßigen Läufern mit gefühlten Sieben-Meilen-Turnschuhen sind motivierender als selbige zur Pressatmung mit verkrampftem Kiefer.
Auf die Rückseite unseres Heftes „Feuer der Begeisterung“ malen wir einen Radioknopf. Kennen Sie die etwas älteren Bedienelemente zum Drehen noch? Genau. Den brauchen wir zum Leise-Drehen. Sollte Ihnen wieder einmal jemand begegnen, der von allem zu viel hat, zu laut ist, zu fordernd, zu überheblich, dann drehen Sie ihn einfach gedanklich etwas leiser. Aus zu laut wird verständlich, aus fordernd bestimmt, aus überheblich selbstsicher. Darum geht’s. Sich seiner selbst wieder sicher werden, Vertrauen fassen in die eigene Leistung. Das kann nur jeder für sich selbst erreichen.